Bonitätsprüfung - Basel II - Rating - Sicherheiten, wann haben Sie sich bei einer Finanzierungsanfrage bei Ihrer Hausbank um Ihr Unternehmen und nicht um die aktuellen Probleme des Bankensektors kümmern müssen? Viele unserer Mandanten glauben, dass Sie sich nicht wirklich daran erinnern können.
Die Zeiten haben sich merkbar geändert. Dadurch ändern sich auch die Vorgehensweisen. Die Zeiten sind nur schlecht für Unternehmen, die kein Geld haben. Bekanntlich ist in Deutschland nichts so teuer, wie kein Geld zu haben. Die Lösung zu finden, heisst die richtige Mischung in Ihrer Finanzierung zu finden.
Eigenkapital - Eigenkapitalersatz - Mezzanindarlehen - stille Beteiligungen
Wahrscheinlich ist nichts einfacher als die Barzahlung. In einer Zeit der knappen Kassen bedeutet Bares nicht nur Wahres, sondern Preisvorteile "ohne Ende". Was tun, wenn einem dabei die eigenen Mittel knapp geraten sind. Peppen Sie Ihre Eigenmittel auf und nutzen Sie die Förderungen für Unternehmen, die die Mittel ohne Bankhaftung ausweiten.
Eigenkapitalersatz nennen wir diejenigen Mittel, die den Gesellschaftern oder Aktionären direkt zur Verfügung gestellt werden und die in das Eigenkapital des Unternehmens direkt eingezahlt werden können.
Die nicht rückzahlbaren Mittel (Zuschüsse) werden auch dem Eigenkapital zugerechnet und bilanziell als Rücklage ausgewiesen.
Mezzanindarlehen (ital. mezzo = zwischen) nennt man rückzahlbare Mittel, die zwischen dem Eigenkapital und dem Fremdkapital angesiedelt werden. Hierzu treten diese Darlehen hinter alle Fremdmittel zurück. Diese Darlehen werden auch Nachrangdarlehen genannt.
Stille Beteiligungen sind Fremdmittel, die in einem Betrag oder ratierlich nach einer Anlaufzeit zurückgezahlt werden, jedoch nicht besichert werden. Stille Beteiligungsgeber wirken nicht operativ im Unternehmen mit. Öffentliche Beteiligungen werden regelmässig als stille Beteiligung vergeben.
Gestaltung mit selbsthaftenden Mitteln
Ihr Betrieb expandiert? Sie stellen zwei Mitarbeiter neu ein? Eine gute Gelegenheit auch etwas für die Bonität und das Rating Ihres Unternehmens zu tun. Finanzieren Sie doch einmal anders.
Nehmen Sie einmal an, eine der Personen, die Sie einstellen, ist derzeit arbeitlos. Die Person soll 2.000 EUR brutto verdienen. Zuerst einmal haben Sie die Möglichkeit eine direkte Förderung zu nutzen. Sie erhalten für 6 Monate 60 Prozent und für 6 Monate 40 Prozent der Lohnkosten. Bei 25 % Lohnnebenkosten beläuft sich die Förderung auf 15.000 EUR innerhalb eines Jahres.
Zusätzlich haben Sie die Möglichkeit bis zu 50% als Nachrang-Darlehen zu erhalten. Diese Mittel werden seit dem 1. März 2004 als Unternehmerkapital der KfW Mittelstandsbank vergeben. Es gibt hierbei drei Varianten, die nach der "Lebensdauer" der Unternehmung vergeben werden.
Innerhalb der ersten drei Jahre ab Gründung erhalten Sie das Unternehmerkapital Gründung. Dieses hat die ehemalige ERP-Eigenkapitalhilfe abgelöst und hat annähernd die gleichen Vorgaben. Neu ist, dass die Förderung des Warenlagers mit Unternehmerkapital Gründung nach der "De-Minimis-Regel" (Geringfügigkeitsklausel) vergeben werden. Dabei darf der rechnerische Subventionswert innerhalb von drei Jahren nicht mehr als 100.000 EUR sein. Alle Förderungen nach "De minimis" sind zu addieren und werden auf die Grenze angerechnet. Sie erhalten maximal 25 Prozent (Ost 60 Prozent) Nachrangdarlehen für den Kapitalbedarf, wenn das Eigenkapital mindestens 15 Prozent (Ost 7,5 Prozent) ist. Dabei ist der Zins im ersten Jahr 0 Prozent, im zweiten Jahr 3, im dritten 4, im vierten 5 und ab dann 6,25 Prozent (Ost 6 Prozent). Die Tilgung beginnt mit dem 8. Jahr und wird in halbjährlichen Raten geleistet.
Im dritten bis fünften Geschäftsjahr kann das Unternehmerkapital Wachstum genutzt werden. Dabei erhalten Sie max. 40 Prozent des Kapitalbedarfes als Nachrangdarlehen, wenn die Hausbank mindestens genauso viel Bankdarlehen vergibt. Die Kombination mit anderen Drittmitteln ist noch nicht abschliessend geprüft, ist derzeit jedoch als problematisch einzustufen. Die Darlehen hier werden nach fünf Bonitätsklassen vergeben. Die günstigste Stufe für 5,65 Prozent (Ost 5,4 Prozent) und die ungünstigste für 10,90 Prozent (Ost 10,65 Prozent). Damit erhält die Einstufung der Unternehmung nach Bonitätsklassen mehr Bedeutung, da die Kosten der Finanzierung hierdurch steigen können. Die Differenz ist fast eine Verdoppelung der Zinskosten.
Ab dem sechsten Geschäftsjahr kann das Unternehmerkapital Arbeit und Investition genutzt werden. Hier werden nur zwei gleich große Tranchen vergeben. Eine als Nachrangdarlehen und eine als Förderdarlehen mit Bankhaftung. Die Nachrangtranche wird nach vier Bonitätsstufen vergeben für derzeit 5,32 Prozent in der günstigsten und 8,77 Prozent in der ungünstigsten Stufe.
Was bedeutet dies für Ihr Unternehmen?
Mit der Einstellung einer arbeitslosen Person (und hierzu zählen auch Mitarbeiter, die Sie bisher nur geringfügig beschäftigt haben) können Sie die Personalkosten um 15.000 EUR reduzieren, Sie sparen über zehn Jahre 11.375 EUR Zinsen (1. Tranche) und verbessern Ihr Eigenkapital um 50.000 EUR zu günstigen Konditionen (2. Tranche).
Neu ist, dass die Konditionen von Bonitätsklassen festgelegt werden. Je schlechter Ihre Bonität ist, desto teurer ist das Nachrangdarlehen. (Wir werden zur Bonitätsbeurteilung einen Artikel folgen lassen.) Hierzu müssen Sie die letzten zwei Jahresabschlüsse einreichen. Damit ist auch klar, dass Ihr Betrieb zwei volle Geschäftsjahre bereits realisiert haben muss.
Rechnet sich das?
Sie gründen mit Fördermitteln und Sie entwickeln Ihren Betrieb auch weiterhin mit Fördermitteln, dann haben Sie nach drei Jahren die Möglichkeit Ihre Million EUR zu optimieren. Wir nehmen an, dass Sie hierzu 7 Mitarbeiter angestellt haben und sich selbst, davon vier arbeitslose Personen.
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Kapitalanteil |
Ohne Förderung |
Mit Förderung |
| Eigenkapital |
75.000 EUR |
75.000 EUR |
| Eigenkapitalersatz |
0 EUR |
250.000 EUR |
| Mezzanin |
0 EUR |
200.000 EUR |
| Stille Beteiligung |
0 EUR |
125.000 EUR |
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selbsthaftende Mittel |
75.000 EUR |
650.000 EUR |
| langfristiges Fremdkapital |
500.000 EUR |
350.000 EUR |
| kurzfristiges Fremdkapital |
425.000 EUR |
0 EUR |
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Fremdkapital |
925.000 EUR |
350.000 EUR |
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anfängliche Zinslast pro Jahr |
74.375 EUR |
37.498 EUR |
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anfängliche Tilgung |
62.500 EUR |
0 EUR |
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anfänglicher Kapitaldienst |
136.875 EUR |
37.498 EUR |
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Zinslast im 5. Jahr |
53.125 EUR |
49.998 EUR |
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Tilgungslast im 5. Jahr |
62.500 EUR |
25.000 EUR |
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Kapitaldienst im 5. Jahr |
115.625 EUR |
74.998 EUR |
Der Kapitaldienst im ersten Jahr ohne Förderung übersteigt die geförderte Finanzierung um fast 100.000 EUR (99.377 EUR). Liquidität, die von jungen Unternehmen immer wieder gebraucht wird, um zu wachsen. Die Finanzierungsstruktur ist für ein bestehendes Unternehmen identisch, wenn eine wesentliche Betriebsveränderung vorliegt.
Daumenregel: Für ein neues Vorhaben (Gründung - neue Produktion - Immobilie o. ä.) müssen Sie mit Fördermitteln anfänglich rd. 4 % der Investition pro Jahr bezahlen und ohne 14 %. Im 5. Jahr sind dies 7,5 % mit Fördermitteln und 11,5 % ohne Fördermittel.
Und jetzt noch etwas für die Anhänger der reinen (Leere?) Lehre: Das mit der Fristenkongruenz und der Bilanzstruktur ist richtig. Sonst gilt, wer früher tilgt spart mächtig Kosten. Bei Fördermitteln gilt, wer gefördert wird, hat weniger Kosten. Wer spart hat mehr Geld. Dieses kann zu Expansion verwendet werden oder zur vorzeitigen Tilgung. Wer mehr Geld hat, kann früher tilgen, wenn nicht ein anderes Investment lukrativer ist.
Zusammenfassung
Es ist die Zeit der Unternehmen mit mehr Eigenmitteln. Dies sind selbsthaftende Mittel, somit keine reinen Bankkredite. Die selbsthaftenden Mittel sind Ihr Eigenkapital, Eigenkapitalersatz, Mezzanin und stille Beteiligungen. Je grösser der Anteil der selbsthaftenden Mittel an der Finanzierung Ihres Unternehmens ist, desto stabiler ist Ihr Unternehmen finanziert.
Mit geförderten, selbsthaftenden Mittel gilt für Ihre Finanzierung:
- Bessere Bonität (um zwei Schulnoten)
- Besseres Rating (um zwei Klassen)
- Weniger Zinskosten am Anfang (über 3 % der Investition)
- Weniger Kapitaldienst (10 % weniger im ersten und 4 % weniger im 5. Jahr)
- Mehr Gewinn (2,5 % mehr Umsatzrendite allein im Zinsergebnis)
- Ihr Unternehmen ist mehr wert
- Sie haben mehr Liquidität (allein 10 % der Investition schon im ersten Jahr)
- Ihre Finanzierung kann mit Ihnen die Bank wechseln (keine Kündigung der Fördermittel)
Wir stellen oft die Frage nach dem Grund der Selbstständigkeit. Wir kennen Ihre Antwort nicht. Wir haben Finanzierungslösungen für viele Fälle erarbeitet. Unsere Erfahrung ist, dass man nach fünf Jahren reich, gesund und unabhängig ist oder arm, krank ist und der Bank gehört, obwohl beide das gleiche getan haben? Geschäftlich schon. Der eine hat sich zwei Tage um das Geld gekümmert und der andere hat das ganze Jahr dafür gearbeitet.
Machen Sie einfach einmal die Augen zu und überlegen Sie, wie Sie und Ihr Unternehmen in fünf Jahren dastehen sollen. Schreiben Sie diese Vorstellung auf und fragen Sie einen Subventionslotsen, was er dazu tun kann. Wir machen nicht Ihre Arbeit, aber wir machen die Kapitalseite einfacher.
Ohne Fördermittel fehlt Ihnen was - Unabhängigkeit.